Weiterführende Informationen und Expertenwissen zum weltweiten Energie- und Kohlemarkt bietet das von Dr. Lars Schernikau veröffentlichte Buch: „Economics of the International Coal Trade – The Renaissance of Steam Coal“, Springer 2010. Die zweite Auflage des Buches mit dem Titel: “Economics of the International Coal Trade – Why Coal Continues to Power the World” erscheint Anfang 2017 im Springer-Verlag.

Weitere Publikationen von Dr. Schernikau zum Energie- und Kohlemarkt finden Sie in unserem Medien-Bereich.

 

Energie bildet die Grundlage unserer hochentwickelten Gesellschaft. Durch ihre Verfügbarkeit sind das moderne öffentliche Leben, wissenschaftliche Tätigkeit und industrielle Entwicklung erst möglich. Leben ohne Energie ist nicht denkbar. Obwohl sie selbst unsichtbar ist und ihre Verfügbarkeit als selbstverständlich wahrgenommen wird, muss ihre Produktion und Lieferung sorgfältig geplant und mit großem organisatorischen Aufwand gesichert werden.

Woher kommt Energie?
Der weltweite Primärenergiemix¹ besteht hauptsächlich aus Öl, Kohle, Gas, Kernenergie und erneuerbaren Energien.

 


 Weltweiter Primärenergiemix in 2014 in %


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Quelle: VDKi – Verein der deutschen Kohlenimporteure 2016.

 

Aufgrund seiner Flexibilität ist Öl mit einem Primärenergieanteil von 33 % nach wie vor die wichtigste Primärenergiequelle – jedoch auch die teuerste. Die mit der Ölversorgung verbundenen politischen Risiken und der bis 2020 zu erwartende Oil-Peak² machen die begrenzten Kapazitäten des Öls als Primärenergiequelle sehr deutlich. Öl ist besonders wichtig für die Herstellung von Kraftstoffen und somit für den Luft-, See- und Fahrzeugverkehr. Für die Elektrizitätswirtschaft ist Öl mit einem Anteil von nur 4 % an der Stromerzeugung jedoch weniger relevant.

Erdgas kommt mit einem Anteil von 24% am Primärenergiemix eine hohe Bedeutung zu, da es einen zuverlässigen und relativ sauberen Brennstoff für die Elektrizitätserzeugung darstellt. Jedoch ist auch Gas von politischen Umständen stark beeinflusst. Der Transport verlangt langfristige und kostspielige Investitionen. Das alles spiegelt sich im hohen Preis dieses Brennstoffs wider. Seit einigen Jahren gewinnt jedoch unkonventionelles Erdgas immer mehr an Bedeutung. Insbesondere in den USA sorgte die Förderung von sogenanntem Schiefergas (Shale Gas) zu einer erheblichen Angebotsausweitung und folglich zu einem enormen Preisverfall (Henry Hub Spotpreis) bei Erdgas. Der stetig steigende Handel mit Flüssiggas (LNG) ermöglicht dabei auch eine immer weiter zunehmende geographische Trennung von Angebot und Nachfrage und fördert dadurch die Entwicklung eines internationalen Erdgasmarktes.

Kohle erlebt aktuell eine erneute Renaissance. Obwohl der Rohstoff von vielen als Zeichen der Rückständigkeit betrachtet wird, deckt er heute fast ein Drittel des globalen Primärenergieverbrauchs und trägt mit über 40 % zur weltweiten Elektrizitätserzeugung bei. Kohle ist nicht nur günstig und leicht verfügbar, sondern wegen ihres weltweiten Vorkommens frei von politischem Druck. Die Entwicklung und Anwendung neuer Technologien steigert zunehmend die Effizienz von Kohlekraftwerken und macht die Verbrennung immer umweltverträglicher.

Kernenergie leistet mit einem Anteil von etwa 4 % am weltweiten Primärenergiemix einen wesentlichen Beitrag zur Energiebilanz. Kernenergie ist zwar sauber und relativ effizient, bringt aber eine Reihe von Risiken mit sich. Dabei kann es sich um eine Havarie mit radioaktiver Kontaminierung, das allgemeine Verstrahlungsrisiko, die ungelöste Endlagerung und die Gefahr von Terroranschlägen handeln.

Erneuerbare Energien tragen immer mehr zum Energiemix bei und sind eine sinnvolle Ergänzung zu fossilen Energieträgern. Um sich jedoch im großen Ausmaß auf erneuerbare Energien stützen zu können, braucht es einen technologischen Umbruch. Zurzeit kann grüne Energie leider noch nicht als zuverlässiger Energieträger betrachtet werden. Auch das Wachstum des weltweiten Energiebedarfs kann heute noch nicht zu 100 % durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Wir hoffen, dass sich dieses Bild in Zukunft wandeln wird.

 

 


Weltweiter Energiemix Szenario 2100


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Quelle: World Coal Institute, www.wci-coal.org .

Energie ist für uns überlebensnotwenig. Ihre Verfügbarkeit zu angemessenen Preisen muss gesichert werden. Da der Großteil der Energieressourcen endlich ist, ist ein sparsamer und effizienter Umgang notwendig. Gleichzeitig muss eine möglichst umweltfreundliche Energiegewinnung angestrebt werden. Umfassende Forschung in diesem Bereich ist daher unerlässlich, um technologischen Fortschritt zu fördern und den weltweiten Energiemix nachhaltig gestalten zu können.

 


¹Primärenergie ist Energie, die in ihrer ursprünglichen Form als Input in das Energiesystem eingeht, wie zum Beispiel Gas, Kohle, Sonnenenergie oder Erdöl. Die Sekundärenergie hingegen wurde für die Konsumentennutzung umgewandelt. Beispiele hierfür sind Elektrizität oder raffinierte Kraftstoffe.

²Die Oil-Peak-Theorie prognostiziert ein Ölfördermaximum und somit das Ende der Öl-Ära. Demnach erreicht die Ölförderung aufgrund sehr schwer zugänglicher oder unwirtschaftlich abbaubarer Ölreserven ihr Maximum. Trotz steigendem Konsumbedarf ist keine Steigerung der Ölförderung mehr möglich, was wiederum zu einem massiven Anstieg des Ölpreises führt.