Der Weltkohlemarkt ist mit über 50 Kohle fördernden Ländern und mehr als 70 Konsumentenländern von enormer internationaler und wirtschaftlicher Bedeutung. Die große Anzahl von Lieferanten und die Leichtigkeit, mit der Kohle per Bahn oder Schiff transportiert werden kann, gewährleisten ein effizientes und konkurrenzbetontes Funktionieren des weltweiten Kohlemarktes.

 


 Kohleproduktion und Weltkohlehandel in 2015


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Quellen: Euracoal; VDKi 2016; Dr. Lars Schernikau: “Why Coal Continues to Power the World – Economics of the International Coal Trade“, Springer 2017.

Die Dynamik des Weltkohlehandels lässt sich wie folgt darstellen: Seit 1999 stieg der Kohlehandel von 357 Millionen Tonnen auf über 1.000 Millionen Tonnen (2015). Davon entfallen aktuell etwa 92 % des Volumens auf seewärtigen Handel und nur 8 % werden auf dem Landweg abgewickelt. Weiterhin macht Kraftwerkskohle drei Viertel des internationalen seewärtigen Kohlehandels aus. Aufgrund hoher Transportkosten ist der seewärtige Kohlehandel traditionell auf zwei Märkte aufgeteilt: den atlantischen Markt mit den wichtigsten Importländern Deutschland, Großbritannien und Spanien sowie den pazifischen Markt mit Australien, China, Indonesien und Japan.

 


 Seewärtiger Handel mit Kraftwerkskohlen in 2015


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Quellen: BLS Portco; Perret Associates; Chinese Customs Data; Dr. Lars Schernikau: “Why Coal Continues to Power the World – Economics of the International Coal Trade“, Springer 2017.

Es gibt mehrere Gründe für das rasante Wachstum des Weltkohlehandels:

  • Wachstumsdynamik der Entwicklungsländer, vor allem von China und Indien
  • Sinkende Förderung in Europa
  • Qualität der Kohle
  • Verbraucheranforderungen zu bestimmten Kohleparametern

Vor allem aber ist der günstige Preis im Vergleich zu anderen Energieressourcen ein wichtiger Impuls für die Verwendung von Kohle.
Der Kohlemarkt entwickelt sich schnell in Richtung Commodity Market. Immer mehr Transaktionen basieren auf Kohleindizes (vor allem API2 und API4). Der Derivatehandel in Europa erreichte in 2016 etwa das 40-fache des physischen Volumens (ausgehend von 6 Milliarden Tonnen API2 Derivatehandel vs. etwa 150 Millionen Tonnen physische Importe nach Europa). Der weltweite Multiplikator liegt “nur” etwa bei 7 (d. h. 7 Milliarden Tonnen Derivatehandel vs. 1 Milliarde Tonne physischer Handel).

 

 


 Entwicklung des Kohlederivate-Volumens 2001-2016


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Anmerkung: das OTC-Volumen ist aufgrund fehlender Daten nur sehr schwer ermittelbar und es ist wahrscheinlich, dass der Wert höher ist als hier dargestellt.
Quelle: Dr. Lars Schernikau: “Why Coal Continues to Power the World – Economics of the International Coal Trade“, Springer 2017.

 

PREISGESTALTUNG IM KOHLEMARKT
Die historische Betrachtung des Kohlemarktes zeigt, dass Preise für Kohle stabiler und günstiger als die von Erdgas oder Öl waren. Im letzten Jahrzehnt führte jedoch die immer schneller steigende Nachfrage zu einer verstärkten Beanspruchung der exportorientierten Förderkapazitäten und sorgte vermehrt zu Lieferengpässen. Parallel stiegen die Produktionskosten aufgrund höherer Lohn-, Energie und Betriebsmittelkosten enorm an. Nach einem vorerst rasanten Preisanstieg brachen die Preise im Jahr 2008 bedingt durch die Wirtschaftskrise förmlich zusammen. Die weiterhin stark anhaltende Nachfrage im pazifischen Markt (insb. durch China und Indien) sorgte jedoch für eine schnelle Stabilisierung. Die Shale-Gas-Entwicklung in den USA hat die US-Gaspreise stark fallen lassen. Außerhalb der USA ist bisher keine Shale-Gas-Stromerzeugung wie in den USA absehbar. Die Prognosen deuten darauf hin, dass Kohle für mehrere Dekaden der günstigste Brennstoff bleiben wird, was nicht zuletzt durch die geologische Verfügbarkeit und die geographisch diversifizierte Verteilung bedingt sein wird.
Günstige Energieerzeugung ist für eine effiziente Arbeitsweise der Industrie und für die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft von extremer Bedeutung. Ein zu rasanter Umstieg auf teurere Brennstoffe kann eine beträchtliche Belastung für die Industrie bedeuten und anschließend zur Verlagerung von Produktionsstätten und den Abbau von Arbeitsplätzen führen. Deswegen ist die Bedeutung von Kohle so groß. Die Verfügbarkeit von Kohle und ein effizienter, globaler Markt ermöglichen erst die Gestaltung eines ausgeglichenen und nachhaltigen Energiemixes.

 


Entwicklung des Kohlepreises 2002-2016


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Quellen: McCloskey Coal Price Index; Dr. Lars Schernikau: “Why Coal Continues to Power the World – Economics of the International Coal Trade“, Springer 2017.

 

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 Der Transport von Kohle


Kohle kann leicht transportiert werden und die Verfügbarkeit verschiedenster Transportmittel macht Kohlebeförderung einfach und sicher. Die Wahl des Transportmittels ist von der zu bewältigenden Entfernung abhängig. 90% der gesamten Kohletransporte werden mit Schiffen im seewärtigen Handel abgewickelt. Es gibt folgende Arten von Schiffen:

  • Handysize – 40 bis 45 Tsd. Tonnen
  • Panamax – 60 bis 80 Tsd. Tonnen
  • Capesize – über 80 Tsd. Tonnen

Im Jahr 2015 lag der Anteil von Kohle an der Gesamtfracht von trockener Bulk-Ware bei über 40 %, Tendenz steigend. Dennoch machen Transport und Logistik von der Mine bis zum Kraftwerk oft 80 % – 90 % des gesamten Kohlepreises aus.

 


 Geladene Bulk-Ware 1970-2015


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(1) Weizen, Mais, Reis, Gerste, Hafer, Roggen, Sorgumhirse, Sojabohnen, etc.
(2) Eisen, Stahl, Schrott, etc.
(3) Kesselkohle, Anthrazit, Kokskohle, Koks
Anmerkung: Zahlen basieren auf Schätzungen, 2014 und 2015 sind vorläufige Werte
Quellen: VDKi 2015; Dr. Lars Schernikau: “Why Coal Continues to Power the World – Economics of the International Coal Trade“, Springer 2017.